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Was verdient ein selbstständiger Fahrzeugüberführer?

Wenn Du mit dem Gedanken spielst, als selbstständiger Fahrzeugüberführer anzufangen, willst Du zuerst eine ehrliche Zahl hören. Die gibt es leider nicht als einen sauberen Betrag, den man auf einen Gehaltszettel schreibt. Dein Verdienst hängt davon ab, wie viele Aufträge Du im Monat fährst, wie gut Deine Preise verhandelt sind, wie lang Deine Strecken laufen und ob Du eigene Kunden hast oder ausschließlich über Vermittlungsplattformen unterwegs bist.

Trotzdem lässt sich eine belastbare Spanne benennen. Bei solidem Auftragsvolumen bleiben grob 1.500 bis 3.500 € netto im Monat übrig. Nach oben ist Luft, wenn Du hochwertige Fahrzeuge bewegst, Auslandstransporte übernimmst oder feste Direktkunden hast. Nach unten geht es schnell, wenn Du nur zwischendurch fährst oder billige Plattformaufträge annimmst. Schauen wir uns an, wie diese Zahl zustande kommt und was am Ende wirklich bei Dir ankommt.

Wie werden selbstständige Überführungsfahrer überhaupt bezahlt?

Als Angestellter oder Minijobber bekommst Du einen Stundenlohn. In der Branche liegt der grob bei 12 bis 15 € pro Stunde, oft plus Spesen. Das ist überschaubar, aber planbar, und Du trägst kein unternehmerisches Risiko. Genau hier trennt sich die Selbstständigkeit davon ab.

Als Selbstständiger rechnest Du pro Auftrag oder pro Kilometer ab. Ein Auftrag bringt Dir also eine feste Summe, egal wie lange Du am Ende wirklich unterwegs bist. Das klingt erst mal gut, weil ein schnell erledigter Kurztransport pro Stunde mehr abwirft. Es kippt aber, sobald Stau, Wartezeit beim Autohaus oder eine umständliche Rückreise Deine Zeit fressen. Deshalb zählt nicht der Bruttobetrag pro Auftrag, sondern was nach allen Abzügen übrig bleibt.

Diese Abzüge solltest Du kennen, bevor Du den ersten Auftrag annimmst. Sie entscheiden darüber, ob sich eine Fahrt für Dich rechnet oder ob Du dafür am Ende draufzahlst.

  • Sprit für die Überführungsstrecke, bei langen Touren der größte Einzelposten
  • Rückreise zum Ausgangsort, meist per Bahn, seltener als Mitfahrt
  • Versicherung, also Obhuts- und Betriebshaftpflicht, als fester Monatsbeitrag
  • Verschleiß am eigenen Fahrzeug, falls Du für Leerfahrten oder die Anreise einen eigenen Wagen nutzt, dazu Reifen
  • Steuern auf Deinen Gewinn sowie Kranken- und Rentenversicherung, wenn Du Dich freiwillig absicherst
  • Kleinkram wie Handy, Navigation, Arbeitskleidung und Buchhaltung

Was bleibt bei einer realistischen Beispielrechnung übrig?

Zahlen helfen mehr als jede Schätzung, also rechnen wir einen typischen Monat durch. Nimm an, Du fährst als Vollzeit-Überführer und schaffst 40 Aufträge im Monat, also rund zwei pro Werktag. Die Durchschnittsvergütung setzen wir mit 90 € pro Auftrag an, was für eine Mischung aus kürzeren und mittleren Strecken über Plattformen und ein paar Direktkunden realistisch ist.

Daraus ergeben sich 3.600 € Einnahmen im Monat. Das ist Deine Bruttosumme, von der jetzt jeder Kostenblock abgeht. Wichtig ist, dass Du diese Rechnung mit Deinen eigenen Werten wiederholst, denn schon 10 € mehr oder weniger pro Auftrag verschieben das Ergebnis deutlich. Die folgende Tabelle zeigt Dir die Größenordnung.

PositionBetrag pro Monat
Einnahmen (40 Aufträge x 90 €)3.600 €
Sprit800 €
Rückreisen (Bahn)450 €
Versicherung (Obhut und Betriebshaftpflicht)120 €
Fahrzeug- und Reifenverschleiß180 €
Handy, Navigation, Buchhaltung, Sonstiges150 €
Gewinn vor Steuern und Sozialabgaben1.900 €
Steuern und Sozialabgaben (geschätzt)550 €
Netto für Dichrund 1.350 €

Du siehst, aus 3.600 € Einnahmen werden am Ende etwa 1.350 € für Dich. Das liegt am unteren Rand der genannten Spanne und passt zu einem Start mit vielen Plattformaufträgen. Wer 50 oder mehr Aufträge schafft und den Durchschnittspreis auf 110 € hebt, landet ohne Weiteres bei 2.500 bis 3.500 € netto. Als Nebenerwerb mit acht bis zehn Aufträgen im Monat bleiben dagegen nur ein paar Hundert Euro übrig.

Warum verdienen manche Überführer deutlich mehr als andere?

Der größte Hebel ist, woher Deine Aufträge kommen. Reine Plattformaufträge sind bequem, weil Du Dich um nichts kümmern musst, aber sie sind hart umkämpft und drücken die Marge. Die Plattform verdient mit, und der Preis pro Kilometer ist oft knapp kalkuliert. Wer nur so fährt, arbeitet viel und behält wenig.

Höhere Margen entstehen mit eigenen Direktkunden. Autohäuser, Leasinggesellschaften und Fuhrparkbetreiber zahlen besser, wenn sie sich auf Dich verlassen können und Dich nicht jedes Mal neu suchen müssen. Dazu kommen Zusatzleistungen, die kaum jemand anbietet und die Du separat abrechnest. Diese Punkte machen über das Jahr den Unterschied zwischen mühsamem Durchkommen und einem ordentlichen Einkommen.

  • Feste Direktkunden statt reiner Plattformabhängigkeit, dadurch bessere Preise und planbare Auslastung
  • Hochwertige Fahrzeuge, weil bei Premiumwagen und Nutzfahrzeugen mehr Vertrauen und höhere Sätze im Spiel sind
  • Auslandstransporte mit längeren Strecken und besserer Vergütung, wenn Du die Sprache und den Papierkram beherrschst
  • Zusatzleistungen wie Fahrzeugübergabe mit Protokoll, kurze Aufbereitung oder Zustellung zum Wunschtermin
  • Clevere Tourenplanung, damit Du Leerfahrten und teure Rückreisen so weit wie möglich vermeidest

Welcher Kostenblock kann Deinen ganzen Gewinn auffressen?

In der Beispielrechnung stehen 120 € für die Versicherung. Das wirkt neben Sprit und Rückreise fast winzig, und genau deshalb wird dieser Posten gern kleingeredet oder ganz weggelassen. Das ist der teuerste Denkfehler in diesem Beruf. Du hast fremde Fahrzeuge in Deiner Obhut, oft im Wert von 30.000 € und mehr, und für Schäden an diesen Fahrzeugen haftest Du.

Eine normale Kfz-Haftpflicht deckt Obhutsschäden am überführten Fahrzeug nicht ab. Ein Steinschlag, ein Parkrempler, ein Schaden beim Rangieren oder ein Unglück beim Verladen fällt in Deine Verantwortung. Ohne passende Obhutsversicherung zahlst Du das aus eigener Tasche. Ein einziger ungedeckter Schaden von wenigen Tausend Euro löscht damit den Gewinn vieler Monate aus, wie die folgende Gegenüberstellung zeigt.

FallAuswirkung auf Dein Jahr
Versicherung eingeplant, kein größerer Schadenrund 1.440 € Beitrag im Jahr, Kalkulation bleibt stabil
Keine Obhutsversicherung, ein Schaden von 6.000 €6.000 € aus eigener Tasche, das entspricht mehreren Monatsgewinnen

Deshalb gehört die Versicherung von der ersten Fahrt an in Deine Kalkulation, so selbstverständlich wie der Sprit. Sie ist ein fester Kostenblock, den Du kennst und einplanst, statt zu hoffen, dass nichts passiert. Wenn Du wissen willst, mit welchem Beitrag Du für Deine Fahrleistung und Deine Fahrzeugklasse rechnen musst, hol Dir eine belastbare Zahl, bevor Du Deine Preise festlegst: jetzt kostenloses Angebot anfordern.

COVAGO
Über den Autor

COVAGO

Begleitet Überführungsdienste, Autohäuser und Fuhrparkdienstleister bei der passenden Absicherung. Schwerpunkt: Obhutsschäden und Haftung bei der Überführung fremder Fahrzeuge.